Unterlassene Hilfeleistung: Strafe fürs Wegschauen

Quelle: www.rettungsdienst.de

Viele Menschen scheinen keine Erste Hilfe leisten zu wollen, weil sie rechtliche Konsequenzen befürchten. Zu Recht? Unterlassene Hilfeleistung: Strafe droht nur demjenigen, der bewusst wegschaut. Hier die klassischen Argumente von Erste-Hilfe-Muffeln – und was man ihnen erwidern kann.

Unterlassene Hilfeleistung: Strafe droht grundsätzlich jedem, der bei einem Unglücksfall nicht unverzüglich die ihm bestmögliche und seinen Fähigkeiten entsprechende Hilfe leistet. So steht es im Strafgesetzbuch. Der Laie nennt das unterlassene Hilfeleistung (StGB 323 c), „Pflicht zur Hilfeleistung“). Hiervon befreien einen auch nicht körperliche Einschränkungen, Behinderungen oder Altersgebrechlichkeit. Selbst, wenn weitere Maßnahmen dem Helfer, zum Beispiel wegen Eigengefährdung nicht möglich sind – einen Notruf abzusetzen bzw. die Unglücksstelle abzusichern, ist jedem zumutbar.

Des Weiteren wird man Maßnahmen wie Blutstillung, stabile Seitenlage und Herz-Lungen-Wiederbelebung von einem gesunden Ersthelfer verlangen dürfen. Das gilt umso mehr, wenn er Führerscheininhaber ist.

Unterlassene Hilfeleistung: StGB kennt kaum Ausnahmen

Ausnahmen kennt das Gesetz nur wenige. Hierzu zählen die Eigengefährdung (brennendes Haus, reißendes Gewässer) oder die Verletzung anderer wichtiger Pflichten durch die unmittelbare Hilfeleistung. Wie verhält es sich also mit den klassischen Argumenten, die Erste-Hilfe-Muffel vorbringen?

  1. Klassiker: Frau auf einsamer Landstraße. Die Autofahrerin ist allein unterwegs und kommt nachts auf einen Unfall zu. Muss sie helfen, obwohl sie Angst vor einer Sittlichkeitstat hat? Der Fall ist zwar eher konstruiert. Dennoch würde auch hier zumindest immer noch die Pflicht, den Unfallort abzusichern und einen Notruf abzusetzen, bestehen. Spätestens wenn ein weiterer Verkehrsteilnehmer stoppt, wäre ihr dies zuzumuten.
  2. Klassiker: Grundschullehrerin ist mit Schulklasse unterwegs. Dies ist ein Beispiel für die „Verletzung anderer wichtiger Pflichten“. Sie dürfte ihre Klasse an einer vierspurigen Schnellstraße nicht unbeaufsichtigt zurücklassen, um einem verunglückten Autofahrer Erste Hilfe zu leisten. Ein wichtiger Geschäftstermin oder der gebuchte Flug zählen hingegen nicht zu den „wichtigen Pflichten“.

Unterlassene Hilfeleistung: Strafe bei Fahrlässigkeit?

Merke: Jeden trifft die Pflicht, zu helfen und die erlernten Maßnahmen einzusetzen. Strafbar macht sich, wer eine Hilfeleistung unterlässt und dabei billigend in Kauf nimmt, dass einer verletzten oder erkrankten Person keine Hilfe zuteilwird.

Ergreift der Ersthelfer mit der gebotenen Sorgfalt und seinen Fähigkeiten entsprechende Maßnahmen, entfällt eine Strafbarkeit wegen fahrlässiger Körperverletzung oder fahrlässiger Tötung. Der Ersthelfer befindet sich in einer akuten Ausnahmesituation und ist kein medizinischer Profi. Insofern trifft ihn nicht einmal dann ein Schuldvorwurf, wenn sich der Gesundheitszustand durch eine falsche Maßnahme wider Erwarten verschlechtert.

  1. Klassiker: der auseinanderfallende Schädel nach der Helmabnahme beim Motorradfahrer. Ein solcher Fall ist sehr unwahrscheinlich. Abgesehen davon haben viele Unfallopfer ohne fremde Hilfe oft keine Überlebenschance. Der Ersthelfer wird also auch in diesem Fall nicht belangt. Es gilt die Vermutung, dass der Verletzte, der seinen Willen nicht äußern konnte, jeglichem Versuch der Hilfeleistung in seinem Interesse zugestimmt hätte.
  2. Klassiker: die Angst vor einer Sachbeschädigung. Diese Ausrede gehört eher zu den unrühmlichen Begründungen. Das Zerschneiden von Kleidung oder das Einschlagen von Fenstern sind immer im Rahmen des „rechtfertigenden Notstandes“ (Paragraph 34 StGB) zulässig. Bei der Rechtsgüterabwägung überwiegt „Leben und Gesundheit“ im Verhältnis zu einer „Sache“.
  3. Klassiker: der Ersthelfer kann auf Schadenersatz oder gar Schmerzensgeld in Anspruch genommen werden. Auch diese Behauptung ist falsch: Nur wenn die Hilfeleistung grob fahrlässig, unsachgemäß durchgeführt wurde, entstünde ein Schadenersatzanspruch. Von einer solchen groben Fahrlässigkeit gehen die Gerichte aber nur dann aus, wenn der Ersthelfer einfachste, jedem einleuchtende Überlegungen bei der Ersten Hilfe nicht anstellt. Hierzu zählt zum Beispiel der Versuch, eine blutende Kopfplatzwunde dadurch zu behandeln, dass eine Abbindung am Hals angelegt wird.
  4. Klassiker: „Zum Schluss dankt mir das keiner und ich habe noch meine Kleidung ruiniert.“ Auch das stimmt so nicht. Der Ersthelfer kann den Ersatz seiner Schäden und Aufwendungen vom Unfallopfer verlangen. Im Übrigen gilt aber auch: Wer in der Freizeit, zu Hause oder im Urlaub Erste Hilfe leistet, ist über die gesetzliche Unfallversicherung gegen alle Personen- und Sachschäden versichert. Also auch wer sich bei der Hilfeleistung selbst verletzt, erhält kostenlose Heilbehandlung, Verletztengeld oder sogar Verletztenrente.

Deshalb gilt grundsätzlich: Kein Ersthelfer muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen, wenn er seinen Fähigkeiten entsprechend die bestmögliche Hilfe leistet und so handelt, wie er es gelernt hat. Selbst wenn ihm Fehler unterlaufen, besteht kein Risiko.

Rechtlich am gefährlichsten ist eindeutig das „Wegschauen“. Dem Gesetzgeber kommt es gerade darauf an, dass anderen Erste Hilfe geleistet wird. Bestraft wird also das sozialschädliche Verhalten, nicht der unbeabsichtigte Fehler.

 

(Text: Bernd Spengler, Rettungssanitäter, Rechtsanwalt u.a. mit Schwerpunkt Rettungsdienst, Fachanwalt für Arbeitsrecht, und Johannes Treutlein, Rechtsreferendar, BRK-Mitarbeiter)

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Training vor der Fahrt in den Urlaub: Mit Caravan und Wohnmobil risikolos Sicherheit tanken

Aus dem DRK-online-magazin: www.rotkreuz-magazin.de ADAC Fahrsicherheits-

Nordbaden/Heidelberg. Ob Wohnmobile, Wohnwagen-Gespanne oder andere Anhänger – sie alle haben ihre Tücken und stellen die Fahrer vor ganz neue oder zumindest andere Anforderungen als bei einer Fahrt mit dem Pkw. Beim Rangieren, Kurvenfahren oder gar in einer Notsituation – die langen Fahrzeuge reagieren nicht wie vom Pkw gewohnt. Daher empfiehlt der ADAC Nordbaden insbesondere nach längeren Fahrpausen und vor einer Fahrt in den Urlaub ein Caravan/Anhänger-Fahrsicherheits-Training.

Auf der ADAC Fahrsicherheits-Anlage Heidelberg können Caravanfahrer risikolos und unter fachmännischer Anleitung üben, das Gespann sicher zu beherrschen und in kritischen Verkehrssituationen schnell und richtig zu reagieren. Verschiedene Bremsmethoden auf unterschiedlichen Fahrbahnbelägen und die richtige Lenk- und Blicktechnik beim Slalomfahren werden sowohl im Solofahrzeug als auch mit dem Gespann geübt, um die Unterschiede spürbar zu „erfahren“. Rückwärtsfahren, Einparken und der in kritischen Situationen notwendige „schnelle Spurwechsel“ werden in den sechsstündigen Kursen ebenfalls unter Anleitung trainiert. Im theoretischen Teil erhalten die maximal sechs Kurs-Teilnehmer Informationen über Rechtsvorschriften, Schlingerkupplung und Fahrzeugtechnik. Mehrere Trainingskurse bietet der ADAC Nordbaden in diesem Jahr in Heidelberg an – darunter auch Wochenendtermine. Für ADAC Mitglieder betragen die Kurskosten 99,- Euro, für Nichtmitglieder 115,- Euro. Informationen und Anmeldung beim ADAC Nordbaden unter Telefon 0721 8104-423 oder per E-Mail unter verkehr.karlsruhe@nba.adac.de. Kurstermine 2016: 08.07.; 24.07.; 05.08.; 14.08.; 10.09.

(Text: ADAC Nordbaden e. V.)

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Gesundheit gibts umsonst – im Schlaf (Teil 2)

aus dem DRK-online-magazin: www.rotkreuz-magazin.de

Besser als Schlaftabletten: Tipps zum Einschlafen

– Gehen Sie erst zu Bett, wenn Sie wirklich müde sind. Zu frühes Zubettgehen führt häufig zu Einschlafproblemen. – Stehen Sie jeden Morgen um die gleiche Uhrzeit auf – auch nach längeren Feiern, am Sonntag und im Urlaub. – Wenn Sie Alltagsprobleme haben, hilft es meist, sie vor dem Schlafengehen einfach aufzuschreiben. Dann kann das Schlaf raubende Grübeln im Bett entfallen. – Essen Sie die letzte Mahlzeit mindestens zwei Stunden vor dem Zubettgehen. Ein voller Bauch behindert das Ein- und Durchschlafen. – Trinken Sie weder anregenden Tee, noch Kaffee oder Cola nach 18 Uhr (manche Experten empfehlen sogar: nicht mehr nach dem Mittagessen). – Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft kann gesunden Schlaf begünstigen. Keine große Anstrengung unmittelbar vor dem Schlafengehen – höchstens ein Spaziergang. – Bei Einschlafstörungen hilft oft ein warmes Vollbad mit 38° C, eventuell entspannende Badezusätze wie Hopfen, Lavendel, Melisse oder Baldrian. – Zum Einnehmen bieten sich nicht verschreibungspflichtige Präparate aus Baldrian, Hopfen oder Passionsblume an. Sie beruhigen übererregte Nervenzellen und fördern das Einschlafen. – Alkohol hilft zwar beim Einschlafen, belastet aber die Leber, die nachts genügend mit der Entgiftung des Körpers zu tun hat. Deshalb beeinträchtigt Alkohol auch den Tiefschlaf und die Träume. – Sollten Sie nachts aufwachen, wälzen Sie sich nicht schlaflos herum, sondern stehen Sie auf und lesen Sie, bis Sie sich wirklich müde fühlen. – Haben Sie schwere Schlafprobleme, dann versuchen Sie einen gezielten Schlafentzug, der schon vielen geholfen hat: Schlafen Sie eine Woche lang nur drei Stunden pro Nacht. Vermutlich entdecken Sie das Gefühl neu, richtig müde zu sein.

Wie das Bett sein sollte:

– Die Maße des Bettes können wichtig sein: Ein Meter Breite pro Person gilt als ideal. Es sollte insgesamt 20 Zentimeter länger als die Person sein. – Ein flexibler Lattenrost passt sich dem Körper an wichtigen Stellen wie Schultern, Lendenwirbelsäule und Beckenbereich an und entlastet sie. Kopf- und Fußteil können separat verstellbar sein – sie müssen aber nicht. – Matratzen sollten nicht zu hart sein, sonst entsteht Blutstau in den Gefäßen; ist sie zu weich, entlastet sie den Körper zu wenig. Wasserbetten sind für viele gewöhnungsbedürftig. – Die Zudecke sollte nie zu warm, aber auch nicht zu dünn, also der Jahreszeit angepasst sein. – Für die Kopflage haben sich orthopädische Kissen bewährt, die gleichzeitig die Nackenmuskulatur entlasten. – Und vergessen Sie nicht: Das Bett sollte nur zum Schlafen da sein und nicht zum Fernsehen, Schmökern oder Essen. – Schaffen Sie die richtigen Schlafbedingungen: Frischluft (zumindest Lüften vor dem Schlafengehen), möglichst nicht wärmer als 18 Grad, Luftfeuchtigkeit nicht höher als 50%.

(Text: obx medizindirekt)

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